II. Sinnvolle Beteiligungen fördern
Der Kohleausstieg wirft in beiden Ländern die Frage auf, wie sinnvolle Beteiligung gefördert werden kann.
- Der linke „Historische Pakt für Kolumbien“, eine politische Koalition, die den linksgerichteten Präsidenten Gustavo Petro an die Macht gebracht hat, verkündete, dass das Land sich unter ihrer Führung von fossilen Brennstoffen abwenden würde. Dieser Strategieplan bedarf allerdings konkreten, langfristigen Handelns, das über reine Worte hinausgeht. Frauen- und Menschenrechtsgruppen befürchten, dass die Versprechen der Regierung für den Norden des Landes ein Wahlkampfslogan bleiben werden [8].
- In Deutschland hat das Credo einer Feministischen Außenpolitik dazu geführt, dass feministische Gruppen mehr mit institutionalisierter Politik in Interaktion treten konnten. Die Herausforderung besteht nun darin, diese Bestrebungen mit der globalisierten Wirtschaft zu verbinden. Zum Beispiel könnte Deutschland Verantwortung übernehmen, indem es Mittel für die Bekämpfung des Klimawandels zur Verfügung stellt und Verantwortung als Verbraucher von umweltschädlichen Mineralien übernimmt. Auch wenn die Regierung die Frist für den Kohleausstieg von 2035 auf „möglichst noch vor 2038“ verschoben hat [9], haben mehrere nationale NGOs vorgeschlagen, dass Deutschland seinen Beitrag zu multilateralen Klimafonds erhöhen und Frauen und marginalisierten Gruppen der Lokalbevölkerung einen verbesserten direkten Zugang zu diesen ermöglichen sollte [10]. In diesem Kontext war die im September 2024 gefallene Entscheidung der deutschen Regierung, der internationalen Alliance for Feminist Movements beizutreten, welche Frauen- und Menschenrechtsorganisationen im Globalen Süden unterstützt, ein Schritt in die richtige Richtung [11].
Frauen, die von den direkten und indirekten Folgen des Kohleabbaus betroffen sind, sollten im Zentrum von Klimaschutz- und Energiewendemaßnahmen stehen. Trotz ihrer essentiellen Rolle werden sie in Klimaverhandlungen oft marginalisiert und sind Gewalt und Kriminalisierung ausgesetzt [12]. Dies ist insbesondere in Kolumbien von großer Relevanz, da es das Land mit den meisten getöteten Umweltaktivist:innen weltweit ist [13].
III. Internationale Solidarität auch außerhalb institutionalisierter Politik fördern
Internationale Solidarität sollte auch über institutionalisierte Politik hinaus durch Engagement gefördert werden. Transnationale feministische Netzwerke wie die International Group of Women Development Alternatives with Women for a New Era (DAWN) sind Beispiele für solidarische Prozesse, die, Kontextunterschiede anerkennen und vorherrschende Entwicklungsmodelle kritisieren. Dies ist die ursprüngliche Form von Schwesternschaft, die sich von anderen feministischen Perspektiven unterscheidet, welche das geteilte, durch globale Diskriminierung verursachte Leid als vereinenden Faktor im Erleben von Frauen in den Vordergrund stellen [14].
Feministische Organisationen wie DAWN, welche Frauen-Interessenvertretungen, Wissenschaftler:innen und Aktivist:innen zusammenbringen, erkennen das Potential von Frauengruppen hinsichtlich ihrer Expertise und dem institutionellen Gedächtnis. Das Zusammenbringen von Interessenvertretungen aus dem Globalen Norden und Süden ermöglicht feministischen Organisationen die kollektive Festlegung ihrer Ziele, Themen, Handlungen und Wünsche.
Es besteht allerdings weiterhin die Herausforderung, Klima-, Energie-, Sozial- und Strukturpolitik zusammenzuführen und gleichzeitig lokale Besonderheiten sowie globale Verbindungen zu erkennen. Feministische Herangehensweisen an diese Thematik sind vielseitig. Feminist:innen selbst erkennen an, dass das Engagement und die feministische Solidarität viele verschiedene Erscheinungsformen haben können.
Einige Frauen-Interessenvertretungen fokussieren sich in ihrer Organisationsstrategie auf die Nutzung eines ‚günstigen Zeitfensters‘, das sich durch Änderungen der institutionellen Strukturen ergibt, u. a. durch die Verabschiedung der Feministischen Außenpolitik. Abgesehen von nationalen Maßnahmen ist die erste länderübergreifende Dreieckskooperation zu Geschlechtergerechtigkeit, an der Länder wie Kolumbien, Mexiko, Chile und Deutschland beteiligt sind, ein gutes Beispiel. Diese Initiativen sind von wesentlicher Bedeutung, da sie die Expertise von feministischen Organisationen bezüglich der Implementierung einer messbaren feministischen Außenpolitik betonen [15].
Es gibt jedoch auch Stimmen, die die Rolle des Staates als gewaltfördernd kritisieren und prinzipiell staatlichen Initiativen gegenüber kritisch eingestellt sind. Diese Gruppen fordern, dass der Staat mehr Verantwortung dafür übernimmt, wie er Muster physischer und struktureller Gewalt reproduziert und die Konzentration von wirtschaftlicher und politischer Macht fördert.
Trotz dieser Unterschiede liegt das transformative Potential einer feministischen Perspektive in der Offenlegung von ausbeuterischen und extraktivistischen Praktiken. Sie schafft Bewusstsein, fördert den kontextsensiblen gesellschaftlichen Widerstand und treibt konkret die Veränderung von Institutionen voran, um diese in den Dienst der Menschen und nicht der Unternehmen zu stellen; wie es in extraktivistischen Sektoren wie dem Kohlebergbau lange gang und gäbe war.
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